Was bisher geschah


Eigentlich dachte ich, dass ich glücklich sei. Davon war ich tatsächlich wirklich überzeugt; ich habe viele Gründe gefunden, weshalb ich es einfach sein muss und irgendwie habe ich mich auch so gefühlt. Glücklich. Zufrieden. Im Reinen mit der Welt. Unbeschwert.

Dann starb im Juli meine Oma.

Bis heute weiß ich nicht so recht, ob ich dieses Ereignis wirklich verarbeitet habe. Manchmal fehlt sie mir unheimlich. Doch mir wurde gar keine Zeit gegeben, um das alles sacken zu lassen und verarbeiten zu können, denn unmittelbar danach wurde meiner Familie und mir das Leben zur Hölle gemacht. Von meinem eigenen Vater.

In die Details möchte ich eigentlich gar nicht weiter gehen. Er hat bewiesen, dass er ungeahnt kreativ sein konnte, wenn es darum ging, wie er uns - meinem Bruder und mir - schaden konnte. Keine Gnade, keine Skrupel. Erst in dieser Phase habe ich begriffen, dass unsere Oma stets ein kleiner Schutzschild zwischen ihm und uns war. Und plötzlich war er der Grund, weshalb ich nichts mehr essen konnte. Ich bekam Bauchschmerzen auf der Arbeit, wenn ich wusste, dass ich gleich nach Hause fahren würde. Ich hatte Angst, was mich dort als nächstes erwartet. Parallel dazu musste ich mir eingestehen, dass ich niemals einen Vater haben werde und auch niemals zuvor hatte. Letztendlich war wohl das das Schwierigste. Verstehen zu wollen, wieso der eigene Vater nur noch so viel Hass und Ablehnung übrig hat... Nein, ich kann es nach wie vor nicht. Es ist nur energie- und kraftraubend. In diesem Zusammenhang kann ich nicht einmal sagen, was mir mehr zusetzt(e): das Unverständnis, die Enttäuschung, der Schmerz? Vermutlich ist es eine sehr ungünstige Mischung daraus. Interessant ist allerdings auch, dass ich ihm nicht mit den selben Gefühlen begegne, die er uns gegenüber offen zeigt. In manchen Momenten wollte ich es. Vielmehr ist es jedoch tiefes Mitleid.

Mitleid dafür, dass er durch sein beschränktes Denken zwar alles unwiderruflich zerstört hat, aber dabei nicht in die Zukunft gedacht hat.

Bereits einen Monat nach dem Tod meiner Oma haben wir schließlich beschlossen, dass es keinen Sinn mehr macht, wenn wir mit ihm weiterhin wie bisher unter einem Dach leben. It never ends, wie BMTH so schön singen. Darüber hinaus wollten wir aus eigener Entscheidung gehen - er arbeitete nämlich fleißig darauf hin, uns auch legal aus dem Haus werfen zu dürfen.

Wie die Wohnungssuche verlief, lässt sich nur wenige Blogeinträge weiter lesen. Sie war erfolgreich und niederschmetternd zugleich. Doch zum Schluss haben mein Bruder, meine Mutter und ich drei wunderschöne Wohnungen gefunden, die alle individuell zu jedem von uns passen und nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind.

Der Umzug war die schlimmste Phase.

Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen müssen und wollen. Mein Unterschied ist messbar; während dieser paar Wochen habe ich aufgrund des Kummers fünf Kilogramm abgenommen, denn mein Körper reagierte auf die Ausnahmesituation. Es ist ein großer Unterschied, ob ich aus meinem Zuhause der letzten 25 Jahre ziehen will oder weil ich muss - mit dem Wissen, dass ich es nie wieder betreten darf. Dass es kein Zurück mehr geben wird. Dass ich so viele Erinnerungen zurücklassen muss, die irgendwann ganz unvermeidlich zu verblassen beginnen. Dass ich meine Gewohnheiten ändern muss, um mich in ein neues Umfeld zu integrieren. Es schmerzt nach wie vor.

Je weiter der Umzug voran schritt, desto unwohler fühlte ich mich auf einmal in meinem Zuhause. Ich ertrug den Anblick meines leeren Zimmers nicht. Zuletzt endete es in Panikattacken. Ich muss gestehen, dass ich nie nachvollziehen konnte, aus welchem Grund man dieses Thema (v.a. im Internet) so breit treten muss. Als ich jedoch in meinem leeren Zuhause stand und regelmäßig keine Luft mehr bekam, verstand ich. Diese Momente zum Schluss, während ich krampfhaft versuchte zu atmen und unvermeidlich immer panischer wurde, waren der traurige Höhepunkt. Der Raum, der mir mein Leben lang Geborgenheit bot, wurde zum Grund für die Attacken.

Mittlerweile wohne ich seit 1,5 Monaten in meiner neuen Wohnung. Eingelebt habe ich mich noch nicht vollständig, doch habe ich mir vorgenommen, dass ich ihr eine Chance gebe. Was bleibt mir auch anderes übrig? So unglaublich es allerdings auch ist - ich merke immer wieder, dass eine schwere Last nach und nach von mir abfällt. Erst jetzt, mit einem kleinen Abstand zu den vergangenen Monaten, traue ich mich durchzuatmen. Der Albtraum ist vorbei.

Mit diesem Blogeintrag habe ich diesmal viel (aber nicht alles) preisgegeben. Wahrscheinlich ist er aus einer Laune heraus einer der intimsten und persönlichsten Einträge geworden, die ich bisher verfasst habe. Ein Hoch auf die Anonymität des Internets! Und trotzdem gibt es noch immer Dinge, die ich niemals laut äußern darf.

Beginnings start with an end. Mein Leben geht weiter und ich werde mich nach einer Verschnaufpause (sie sei mir gegönnt) wieder allen Herausforderungen entgegenstellen. Wer weiß, was schon der morgige Tag für mich bereit hält?


Während des Schreibens habe ich übrigens nun für mich beschlossen, dass diese Geschichte für mich beendet ist. Mein Vater und die Familie, die hinter ihm steht und ihm in so mancherlei Dingen unzweifelhaft das Wasser reichen kann, ist kein Teil meines Lebens mehr.

Er ist keinerlei weiterer Erwähnung wert.

Losgelöst.

Was für ein befreiender Gedanke.
13.12.17 18:38


Verbale Inkontinenz


Wenn ich sage, dass ich ein zwischenmenschlicher Idiot und ein Verbaltrottel bin, ist das eine gesunde Selbstreflektion. Die Aussage mag zwar etwas hart klingen, beschreibt jedoch sehr gut meine (spontanen) sprachlichen Fähigkeiten.

Die Tatsachen sind nämlich eindeutig:
Von einem studierten Germanisten erwartet man diverse Fertigkeiten. Wort- und Redegewandtheit, einen flüssigen und anmutigen Sprachstil gepaart mit Eloquenz und einem breiten Wortschatz. Sprachliche Überlegenheit. Persönlich zählen für mich auch Schlagfertigkeit und die Qualität des Inhalts dazu; genauso wie es auch selbstverständlich sein sollte, wohlüberlegt zu sprechen.

Das trifft alles nicht auf mich zu. In der mündlichen Kommunikation zumindest.

Denn sobald ich normalen Smalltalk betreiben möchte, meldet sich mein verbaler Durchfall. Er schlägt in den unmöglichsten Situationen zu, beschränkt meinen Wortschatz auf ein Minimum, lässt mich stottern, über Worte stolpern und unüberlegte Dinge äußern. Man kann sich ebenfalls darauf verlassen, dass ich Anekdoten am unlustigsten und unspannendsten erzählen und die Pointe herrlich zerstören kann. Wie oft passiert es mir, dass ich mich für eine Bemerkung schäme, noch bevor ich den Mund wieder geschlossen habe? In diesem Moment begreife ich jedes Mal erneut: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Besonders am Freitag lag mir die Scham schwer im Magen. Wieder habe ich eine "Kurzschlussreaktion" gehabt, Kollegen unterhalten sich neben mir, ich habe ein Wort aufgeschnappt, also kann ich mich mit einem unqualifizierten Kommentar einmischen. Ich bin wütend auf mich. Darüber, dass ich mich durch meine Unfähigkeit jedes Mal aufs Neue in peinliche Situationen bringe; ich bin wütend, weil ich etwas so selbstverständliches und einfaches wie Smalltalk nicht kann. Ich bin wütend, weil ich trotz ständiger Wiederholungen nichts daraus lerne. Ich bin wütend, weil ich keine Kontrolle über mich habe, sobald mich ein Kurzschluss erfasst. Und ich bin wütend, weil ich diese unglücklichen Unterhaltungen stunden- und tagelang Revue passieren lassen kann – es ist ein Fluch, denn Sprachanalysen und -interpretationen gehören für einen Germanisten zum kleinen Einmaleins. Ich bin also tatsächlich in der Lage, mein eigenes Fehlverhalten zu analysieren, nur um kurze Zeit später erneut den selben Fehler zu begehen.

Was hilft dagegen?

Ich muss mir endlich bewusst werden, dass ich sowohl sozial als auch verbal unfähig bin, normale, oberflächliche Beziehungen zu führen und muss aufhören, jedes Mal erneut einen Versuch zu starten. Meine Stärke sind Bücher und darauf sollte ich auch bauen. Möglicherweise klingt es nun etwas anmaßend, doch im Vergleich zur verbalen Kommunikation bin ich wohl im Schriftlichen ganz okay. Sicherlich ist auch diese Fähigkeit erweiterbar, die Basis ist aber zumindest vorhanden. Es ist wesentlich einfacher für mich, mich schriftlich über jegliche Themen zu entfalten, als 30 Minuten Mittagspause "unbeschadet" zu überstehen.
Konkret sehe ich darin eine Lösung, dass ich mich schlichtweg passiv in einem Gespräch verhalte. Zuhören statt peinliche Äußerungen. Klappe halten statt einmischen.
In Zukunft muss ich auch bewusst darauf achten, was ich von mir gebe. Nicht um des Redens Willen, sondern überlegt agieren und wesentliche Informationen kompakt vermitteln.

Theoretisch klingt dieses Vorhaben also ganz gut. Wie sich es nun umsetzen lässt, ist allerdings noch ungewiss. Ich möchte es zumindest versuchen.
Im Übrigen habe ich einen Tag nach meinem "Faux Pass" einen Einfall gehabt, um mir selbst vor Augen zu führen, dass ich doch kein Trottel bin. Wie gesagt, schriftlich bin ich immerhin kein hoffnungsloser Fall. Da ich aktuell jedoch kein Internet habe und recht unregelmäßig bei Freunden bin, um WLAN zu schorren, werde ich dieses Projekt erst ab Mitte Dezember in Angriff nehmen. Bis dahin habe ich wenigstens Zeit, um mir Gedanken zum Konzept zu machen.

Mit diesen Worten der Frustration und vielleicht auch der Zuversicht verabschiede ich mich. Den nächsten Eintrag möchte ich wieder dazu nutzen, um in einem Update zu erzählen, was sich in den letzten Wochen und Monaten bei mir verändert hat. Mein ganzes Leben ist auf den Kopf gestellt und ich sehe mich plötzlich mit Problemen konfrontiert, die ich bisher nicht kannte. Dennoch bin ich sicher, dass in absehbarer Zeit wieder Ruhe einkehren wird. Ruhe, um neue Kraft zu schöpfen und um mich zu regenerieren.

Habt noch einen schönen Sonntag, meine Lieben!
26.11.17 11:12


Planänderung


Eigentlich habe ich im letzten Eintrag angedeutet, dass ich umziehen werde. Da meine Familie und ich aus unserem Zuhause geekelt wurden, haben wir uns also seit August intensiv auf Wohnungssuche begeben. Der einzige Haken daran: Bei uns auf dem Land gibt es keine Mietwohnungen. Erst recht nicht in der Ortschaft, in der wir arbeiten. Und doch, so unglaublich es war, haben wir innerhalb von nur zwei Wochen zwei top renovierte Wohnungen gefunden.

Auf die erste Wohnung wurden wir durch einen Tipp einer Arbeitskollegin aufmerksam; sie war nur wenige Schritte von meiner Arbeit entfernt, war groß genug für mich, wurde zu diesem Zeitpunkt von Grund auf renoviert und die Miete war auch bezahlbar. Besichtigung vereinbart und am folgenden Tag einen Anruf erhalten, dass ich die Wohnung haben könne. Perfekt.
Die Geschichte um die zweite Wohnung ist hingegen pures Glück: aus reinem Impuls bat ich eine weitere Kollegin, die in besagter Ortschaft wohnt, dass sie sich doch bitte für uns etwas umhören solle. Ihre Antwort: "Ich weiß leider von keiner freien Wohnung. Aber wir haben eine Ferienwohnung, die man auch dauerhaft vermieten könnte." Wie es nun also kam, konnten wir ihre Ferienwohnung für meinen Bruder fest anmieten. Konnte es noch besser kommen? Nein.

Schlechter?

Ja.

Denn im weiteren Verlauf besichtigte ich ab und an "meine" Wohnung und erlebte eine böse Überraschung nach der nächsten. Aus heiterem Himmel sollte ich plötzlich entgegen aller Abmachungen deutlich mehr Miete zahlen. Die TAE-Dose (Anschluss für den Router) wurde mutwillig während der Renovierungsarbeiten kaputt gemacht. Sprich: So schnell wäre kein Internet möglich gewesen. Auch sollte ich für die Reparatur einer 15 Jahre alten Waschmaschine zahlen, die die Vormieterin defekt zurück ließ. Ein neuer Stromzähler sollte eingebaut werden, durch den ich für einen Teil Strom hätte zahlen müssen, den die andere Wohnung im Haus verbraucht. Als ich den Mietvertrag unterzeichnen sollte, erwartete mich die nächste Überraschung: Die Miete wurde nochmals teurer! Weiterhin tauchten so viele Dinge auf, die allem Anschein nach völlig willkürlich in den Vertrag aufgenommen wurden und über die man mich/uns im Vorfeld hätte informieren müssen. Hingegen die Dinge, die für mich als Mieterin wichtig sind, die sind völlig unter den Tisch gefallen. Kündigungsfrist? Was für eine Kündigungsfrist? Die beigefügte Hausordnung besagte sogar, dass ich meine Wäsche weder in der Wohnung noch auf dem Balkon hätte aufhängen dürfen. Völlig absurd. Für all das habe ich gar keine Worte.

Meine Mutter und ich wiesen die Vermieterin deshalb darauf hin, dass ihr wechselhaftes Verhalten nicht korrekt sei und dass uns die vielen Unstimmigkeiten zu denken gäben. In der selben Nacht noch bekam ich eine böse Nachricht in Whatsapp von der Vermieterin, in der sie sowohl meine Mutter als auch mich beleidigte. Am Tag darauf holte ich mein Hab und Gut, das ich bereits nach und nach in die Wohnung gebracht hatte, wieder ab.

Einen wunderbaren Monat lang war ich also im Glauben, dass ich von Zuhause ausziehen kann. Ich hatte mir bereits Möbel ausgesucht, die Wohnung in Gedanken eingerichtet, Urlaub genommen, Umzugshelfer gefunden und für eine Einweihungsparty eingeladen.

Doch irgendwie konnte ich mich während dieser Zeit nicht auf die Wohnung an sich freuen. Durch die vielen Umstände und das unmögliche Verhalten der Vermieterin hatte ich das Gefühl, als würde das nicht mein neues Zuhause werden. Mein Rückzugsort. Meine Wohlfühlzone. Interessanterweise war ich deshalb kein bisschen enttäuscht, als es doch nicht klappte. Vielleicht war es sogar eine Erleichterung, denn zum Schluss hatte ich nur Ärger damit. Und je mehr Zeit verging, desto größer wurde auch mein ungutes Bauchgefühl. All das war mit einem Schlag verschwunden.

Der weitere Plan sieht so aus, dass ich nun doch zum 1.11.2017 ausziehen werde. Durch allergrößten Zufall fand ich nämlich eine Wohnung in einer nahe gelegenen Ortschaft und behauptete mich neben acht weiteren Personen, die die Wohnung besichtigten. Man musste das Inserat sogar nach nur einem Tag wieder aus dem Internet nehmen, da zu viele Interessenten anriefen! Diese Wohnung ist nun 20qm größer, günstiger, hat eine wunderschöne Einbauküche (mit Spülmaschine! Luxus!), eine Badewanne und keine Dachschräge. Mein jetziger Vermieter ist völlig unkompliziert und lässt mir sehr viele Freiheiten.

Und das beste daran: Diesmal habe ich das Gefühl, als würde ich in mein neues Zuhause einziehen. Ich kann es als meinen Rückzugsort betrachten und fühle mich nur allein bei dem Gedanken daran wohl.

Letztendlich bin ich davon überzeugt, dass ich deshalb die erste Wohnung nicht bekommen sollte: weil nämlich etwas besseres auf mich gewartet hat. Aber so läuft es doch so oft im Leben - ob mit dem Partner, der Arbeit, mit einem Auto oder einer Wohnung. Wir geben uns mit dem vermeintlich "besten" ab, nur weil wir zu bequem sind, einen harten Weg auf uns zu nehmen. Wir sind lieber tief in unserem Inneren unglücklich, als uns auf die Suche nach dem zu machen, was wir in Wahrheit wirklich verdienen und lassen uns durch Rückschläge viel zu leicht aus der Bahn werfen. Manchmal hilft es jedoch, in den sauren Apfel zu beißen und sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Im Übrigen - gestern habe ich eine riesige Couch für das neue Wohnzimmer gekauft. Mit Schlaffunktion. Wer sich nun also angesprochen fühlt... ;-)
22.10.17 13:13


Zwangspause


Meine Lieben - der Vorsatz mehr zu schreiben hält zwar nach wie vor an, doch mir wurde die Möglichkeit dazu genommen. Wtf?

Bedeutet Folgendes:
Ich habe seit gewisser Zeit kein Internet mehr zuhause. Nicht, weil ich keine Rechnung gezahlt habe (lol), sondern weil es mir eine Person genommen hat, um mir und dem Rest meiner Familie zu schaden. Dazu kommt, dass meine mobilen Daten in meiner Heimatstadt zu schlecht sind, sodass ich rein gar nichts machen kann (sprich: ich kann nicht einmal eine E-Mail senden). Außer lesen, haha.

Aktuell nutze ich also das WLAN aus der Berufsschule. Stellt euch vor, deshalb sitze ich jetzt sogar "freiwillig" im Religionsunterricht, obwohl ich davon befreit bin. Nur um so viel wie möglich online zu erledigen!

Wie dem auch sei, glücklicherweise wird das kein Dauerzustand. Wir lassen uns nie unterkriegen.

Um vielleicht doch noch kurz zu umreißen, was zurzeit bei mir los ist:
Auf der Arbeit läuft alles nach wie vor super. Ich habe immer mehr und mehr Aufgaben, komme gut bei den Kollegen an (den Eindruck habe ich zumindest) und die Berufsschule hat in der ersten Blockwoche auch zufriedenstellend begonnen. Privat gibt es jedoch ein großes Problem, das mir wahnsinnigen Kummer bereitet. In meinem Fall ist Kummer die beste Diät, denn selbst mein Körper reagiert auf die momentane Situation. Unglaublicherweise bin ich aber dennoch so glücklich wie nie. Die Arbeit erfüllt mich mit Freude, denn ich werde gebraucht und wertgeschätzt. Auch durften meine Familie und ich in der schlimmsten Not die Hilfsbereitschaft und die Güte fremder Menschen erfahren. In erster Linie ist es diese Tatsache, die mich mit Glück erfüllt. Nie hätte ich damit gerechnet, was fremde Menschen füreinander tun.

Zwar habe ich in absehbarer Zeit wieder WLAN, doch bis dahin muss ich wohl oder übel eine Zwangspause einlegen. Außerdem steht Ende September die Zwischenprüfung für die Ausbildung an, also ist das vielleicht gar nicht so schlecht. So kann ich mich wenigstens voll und ganz auf das Lernen konzentrieren und werde nicht abgelenkt.

Außerdem hoffe ich, dass ich das nächste mal, wenn ich mich wieder melden kann, große Neuigkeiten haben werde. Die Aussicht darauf treibt mich an.

BEGINNINGS START WITH AN END
14.9.17 12:31


Starke Frauen


Wenn ich schon dabei bin zu erzählen was mich so glücklich macht, muss ich auch unbedingt zwei Personen vorstellen. Dabei geht es mir in erster Linie um das, was sie ausmacht, ihren Charakter und vor allem ihre Stärke, mit der sie jeden Tag aufs neue bewältigen.

Die Rede ist von meiner Mutter und meiner besten Freundin. In beiden sehe ich große Vorbilder, denn sie leisten einfach Unglaubliches. Das sind Dinge, die mich inspirieren, die mich vorantreiben und die mir auch bei Entscheidungen helfen. Dinge, die mich motivieren, die mich immer wieder mein Limit erreichen lassen - im positiven Sinne - und die mir gleichzeitig eine Menge Geborgenheit und Liebe geben.

Meine Mutter hat mich von Anfang an dazu erzogen, meinen Stolz und meine Unabhängigkeit niemals aufzugeben und immer mein bestes zu geben. Deshalb bin ich heute hier an diesem Punkt angekommen, an dem ich ohne zu zögern behaupten kann, dass ich glücklich bin. Ohne meinen Stolz und meine Unabhängigkeit hätte ich mich womöglich erniedrigen und in Abhängigkeiten drängen lassen, die mir nur geschadet hätten. Nein, stattdessen bin ich ein Freigeist, ich weiß, was mir gut tut, weiß, wann ich Raum für mich brauche und bin mit mir selbst im Reinen. Ich weiß aber auch, dass ich alles, worauf ich zurückblicken kann, alleine und aus eigener Kraft erreicht habe. Mein Studium, meine Ausbildung, vielleicht auch die Entdeckung meiner Gabe(n). In allem habe ich zwar die bedingungslose Unterstützung meiner Mutter genießen dürfen, doch letztendlich bin ich schon immer meinen eigenen Weg gegangen. Nie musste ich mich dazu an jemanden binden oder war auf jemanden angewiesen. Alles, was ich habe, konnte ich mir selbst aufbauen.

Danke, Mama, dass du mich zu dem Menschen gemacht hast, der ich heute bin.
Es ist mir möglich Dinge zu hinterfragen oder nicht einfach hinzunehmen und mich damit abzufinden. Ich kann für das kämpfen, was ich will. Durch dich bin ich mir auch bewusst, wie viel wirklich in mir steckt, und dass ich damit noch viel erreichen kann. Dass ich mein Leben konstant verbessern kann. Mit deiner selbstlosen, aufopferungsvollen und wortwörtlich liebevollen Erziehung lässt du mich heute an mich selbst glauben und daran, dass ich immer noch ein Stückchen mehr haben kann.

Auch meine beste Freundin ist schlichtweg fantastisch. Vermutlich liegt es ein bisschen am Altersunterschied, denn sie könnte eigentlich auch meine Mutter sein. Doch noch nie, seit wir uns kennen, stand das zwischen uns, weil wir uns von Anfang an auf gleicher Ebene begegneten. Die Freundschaft zu ihr betrachte ich als etwas ganz besonderes, da sie sich an meinem Leben beteiligen möchte und weil ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass sie ebenfalls stolz auf mich und das, was ich tue, ist. Auch sie unterstützt mich in all meinen Entscheidungen, lässt mich an ihren eigenen Erfahrungen teilhaben und nimmt mich auch einfach mal in den Arm, wenn ich es brauche (oder verschwindet wortlos in der Küche und erscheint mit einem Glas Sekt wieder, weil sie mir ansieht, dass ich wütend bin lol). Gleichzeitig kann ich sie auch zu jeder Zeit um Rat bitten, da sie immer ein offenes Ohr für mich hat und mir ihre Meinung ehrlich darlegt. Natürlich ist es manchmal nicht das, was ich hören möchte, allerdings stößt sie mich damit jedes mal zum nachdenken und zum Reflektieren der Situation an.

Tatsächlich ist sie für mich mehr Familie als der ein oder andere direkte Verwandte. Das mag an ihrer herzensguten Art liegen, daran, dass sie alles für die Menschen macht, die ihr etwas bedeuten oder auch daran, dass ich bei ihr jedes einzelne mal mit offenen Armen empfangen werde. Mittlerweile habe ich wirklich das Gefühl, als würde ich in mein zweites Zuhause kommen, wenn ich sie und ihren Mann besuche. Beide geben so viel und haben noch niemals etwas dafür im Gegenzug erwartet. Das ist für mich beeindruckend und erfüllt mich mit tiefer Zuneigung.

Doch nicht nur das, was beide Frauen direkt für mich tun, ist bewundernswert. Nein, vielmehr sind auch ihr Kampfgeist, ihre Stärke und die unbändige Kraft die wesentlichen Faktoren, weshalb ich ihnen nacheifern möchte. Beide haben sich noch kein einziges mal durch Schicksalsschläge oder Krankheiten unterkriegen lassen und begegnen jedem neuen Tag mit Lebensfreude. Sie schützen ihre Familie und opfern sich dafür bis über die Grenze hinaus auf. Auch habe ich den leisen Verdacht, dass mich beide auf ihre Arten vor Bösem behüten wollen - auch heute, mit 25 Jahren. Dafür reichen vermutlich ein paar einfache Worte der Dankbarkeit gar nicht aus.

All diese Gründe und selbstlosen Taten motivieren mich dazu, ein guter Mensch zu sein. Wärme zu geben, Herzlichkeit, Dankbarkeit für die kleinen Dinge zu zeigen und aus allem das beste zu machen. Vielleicht ist das ein akzeptabler Weg meine eigene Dankbarkeit zu zeigen, denn um nichts auf der Welt möchte ich jemanden mit einem Fehler enttäuschen. Ich möchte ihnen zeigen, das ich ihre Zuneigung nutze, um aus mir etwas zu machen, auf das man mit Stolz blickt. Ich möchte ein Mensch sein, der selbst als herzlich wahrgenommen wird und der nie seinen Weg aus Bequemlichkeit (seien es Faulheit, Abhängigkeit oder Kraftlosigkeit) aus den Augen verliert.

Ihre Bemühungen, die sie in mich investiert haben (und es noch immer tun) sollen nie umsonst gewesen sein.


Ich hoffe, dass mein Eintrag nun als Quelle der Inspiration für euch dient. Macht euch bewusst, was die Frauen in eurem Umfeld in ihrem Leben geleistet haben - sei es eure Mutter, Schwester, Partnerin, Freundin. Jede trägt Tag für Tag einen neuen Kampf aus - der mit ein klein wenig Unterstützung sicherlich angenehmer gestaltet werden kann.
12.8.17 15:56


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