Prüfstand


Am Freitag Nachmittag hat mich die Wut gepackt. Sie hat nach mir gegriffen und mich nicht mehr aus ihrem Bann gelassen, ich war regelrecht zerfressen von ihr. Plötzlich fühlte ich mich überflüssig und einsam. Statt in Selbstmitleid zu versinken, habe ich meine Gefühle in blanke Wut gegen alles und jeden verwandelt. Vermutlich ist das eine Art Selbstschutz meinerseits. Zu diesem Zeitpunkt rechnete ich nicht damit, wie der weitere Verlauf des Wochenendes mir noch die Augen öffnen sollte.

Während der Fahrt zu meiner besten Freundin am Samstag Abend stürzte nämlich meine Fassade komplett ein. Schürte ich Zuhause meine Frustration noch mit Hatebreed, brachte das Album Houyoku von MUCC während der Autofahrt alles zum Einsturz. Völlig aufgelöst bin ich also bei meiner Freundin angekommen - und war ihr unendlich dankbar, dass sie mich nicht darauf angesprochen hat. Obwohl ich weiß, dass sie besorgt war. Überraschenderweise haben sie und ihr Mann mich im Laufe des Abends auf andere Gedanken gebracht und wir haben gemeinsam wieder viel gelacht. Irgendwann raffte ich mich sogar auf und berichtete ihr von meinen Sorgen. (Das ist eine Eigenschaft an ihr, die ich sehr schätze: Sie drängt mich zu nichts. Außer zu einem weiteren Glas Hugo...) Da entgegnete sie mir mit einer Antwort, die mich seither beschäftigt: Alles sei eine Prüfung.

Eine Prüfung also? Wird mein Verhalten auf eine Probe gestellt, werde ich genausten überwacht?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr verspüre ich den Wunsch, mich dieser Prüfung zu stellen. Giving up was never an option, wie Jamey Jasta von Hatebreed so schön singt. Zwar habe ich keinerlei Anhaltspunkte, wie diese Prüfung genau aussieht, welche Bedingungen mit hineinspielen, wer es auf mich abgesehen hat oder wie der zeitliche Rahmen dieser Prüfung aussieht. Doch ich habe auch verstanden, dass ich mich absolut auf meine Ziele fokussieren muss - und das geriet durch meine Wut ins Wanken. So einen Moment darf ich mir nicht mehr gestatten. Offensichtlich muss ich an meinem grundlegenden Verhalten etwas ändern, denn das wird mir langfristig keinen (persönlichen) Erfolg bringen - und gleichzeitig wiederum will ich ich selbst bleiben. Wahrscheinlich wird es noch einige Zeit brauchen, um ein Gleichgewicht zu finden, allerdings bin ich fest entschlossen und lasse mich nun auch nicht mehr von meinem Weg abbringen. Wenn alles wirklich eine Prüfung ist, werde ich mich ihr stellen und als Sieger hervor treten.

Heute Morgen wurde ich übrigens am Nacken massiert, da ich bereits seit zwei geschlagenen Wochen Schmerzen habe. Die ziehen mir in den Kopf; teilweise so stark, dass es mir unerträglich auf den Magen schlägt. Ich sehe jetzt am Rücken zwar aus als wurde ich verprügelt - alles ist blau und lila vom Schröpfen - aber ich merke einen angenehmen Unterschied zu vorher. Die Mami meines Freundes hat sich meiner angenommen - immerhin hat sie damit viel Erfahrung. Sie ist so lieb zu mir! Diese Geste hat mir ebenfalls die Augen geöffnet: Ich bin gar nicht so einsam wie ich dachte. Es gibt wertvolle Menschen in meinem Leben, die sich um mich sorgen, die für mich da sind und die sich um mich kümmern. Ich sollte mich wirklich schämen, dass ich ausgerechnet diese Aspekte außer Acht lasse, wenn ich drohe in Selbstmitleid oder Wut zu versinken.

Hm, heute ist mein Eintrag unbeabsichtigt sehr philosophisch geworden. Aber was solls? Ich werde dafür sorgen, dass die nächste Woche ein voller Erfolg wird und dass ich wieder über fröhliche Themen berichten kann - die sind mir nämlich am liebsten.

Habt einen schönen Sonntag Abend!
22.1.17 21:06
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Pascale (22.1.17 22:38)
Das macht ein Onlinetagebuch aus, also die Bandbreite der Gefühle :-)


Nena (23.1.17 09:42)
Wow, sehr zielstrebig. Das hört sich gut an! Ich wünsch dir viel Erfolg dafür! Nur pass auf, dass du auch Emotionen wie Wut und Co rauslässt, wenn sie gefühlt werden müssen. Oder wandel sie in Produktives um. Aber unterdrücken ist doof.

Beste Grüße,
Nena ♥


Marie / Website (23.1.17 17:10)
Es gehören halt auch mal nicht so fröhliche Themen zum Leben dazu und warum sollte man nicht darüber berichten. Dafür ist doch ein Blog auch gedacht, um eben auch mal nicht so glückliche Momente los zu werden.
Also, immer so wie´s grad kommt. LG, Marie


Caroline (25.1.17 21:55)
Wow, vielen Dank für eure Kommentare! Wahrscheinlich habe ich mich allerdings etwas ungünstig im Blogeintrag ausgedrückt, denn ich scheue mich nicht davor, über "ernste" Themen zu schreiben. Eher wollte ich damit ausdrücken, dass ich mich ins Zeug legen werde und meine Woche erfolgreich gestalten will... Ich will kein Trübsal blasen und den Kopf einziehen, eher arbeite ich daran, dass ich einen positiven Moment nach dem nächsten habe =)


Pascale (25.2.17 15:35)
Bin auf neue Einträge gespannt...
VG Pascale

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