Erinnerungen


Vor wenigen Minuten habe ich mich wieder an etwas erinnert, das ich einst sehr geliebt habe. Eine Freundin aus Unizeiten schrieb mich an und bat mich um einige alte Unterlagen, die ich zu einem Thema im Wintersemester 2014/15 zusammentrug. Gott sei Dank bin ich ein Datenmessie und hatte sie nicht gelöscht... Doch plötzlich war ich in Gedanken ganz wo anders:

Ich sitze an meinem Schreibtisch in meiner 18m² kleinen Wohnung, mit Blick aus meinem Fenster. Semesterferien. Meine Ratte Hanni springt neben mir abwechselnd durch ihren Käfig oder knuspert vor sich hin. Die Aussicht auf den Baum gegenüber meiner Wohnung verrät mir, dass es bald Frühling wird, denn die ersten Knospen sind bereits zu erkennen. Abgesehen von den Geräuschen des Verkehrs, die mich durch das gekippte Fenster erreichen, ist es still um mich. Muss auch so sein, denn ich sitze über einem Forschungstext, den ich für eine Hausarbeit lesen und bearbeiten muss.

Frühlingswetter. Meine eigene Wohnung, die ich ganz nach meinem Geschmack einrichtete. Weiße Möbel, eine graue Wand. Dazwischen Deko in den Farben Lila, Pink und Schwarz. Die Regale gefüllt mit Büchern, Mangas und DVDs von MUCC. Aus Platzmangel habe ich direkt hinter mir meine Küchenzeile - ebenfalls in hellem Holz -, die geschätzt nur knapp über einen Meter lang ist. Doch ich halte sie stets sauber; dreckiges Geschirr gibt es bei mir nicht.

Vielleicht nutze ich den restlichen Tag, um die Bibliothek auf dem Campus aufzusuchen und einen neuen Schwung Bücher nach Hause zu schleppen. Oder schlendere ich lieber durch die Fußgängerzone und schaue mich im Einkaufszentrum etwas um? Bei dem schönen Wetter ist ein kleiner Stadtbummel sehr verlockend. Mein Stapel an ungelesenen Büchern für die Hausarbeit zwingt mich jedoch zu einem Kompromiss: Ich schnappe mir meine Einkaufstasche, steige die drei Etagen im Treppenhaus hinab und mache mich auf zum Supermarkt, der um die Ecke liegt. Ich kaufe mir Dinge, auf die ich im Moment Lust habe, bringe sie zuhause in meinem kleinen Kühlschrank unter und mache mich wieder an die Arbeit.

Am Abend will ich mir dennoch etwas gönnen: Zu meinem Einkauf gehörte eine Flasche Hugo, die frisch aus dem Kühlschrank eine angenehme Temperatur hat. Nachdem ich also den ganzen Tag über meinen Büchern saß, schmeiße ich mir über meinen Laptop und ein HDMI-Kabel eine DVD von MUCC an und zünde mir die kleine blaue Shisha an, die ich mir ungefähr im zweiten Semester gekauft habe. Die leuchtenden Kerzen, die auf meinen Regalen verteilt sind, erschaffen eine gemütliche Atmosphäre.

Das ist Glückseligkeit für mich. Ich bin zufrieden, liebe mein Leben.

Plötzlich geht die Tür auf - und ich bin wieder in der Wirklichkeit. Mein Bruder fragt mich etwas. Wieder konfrontiert mit all dem Mist, der mich momentan so sehr verletzt.

Das interessante ist jedoch, dass ich diese Zeit von damals eigentlich nicht wirklich vermisse. Ja, in einigen Momenten wünsche ich mich zurück, doch gleichzeitig möchte ich an den aktuellen Lebensumständen nichts mehr ändern. Ich bin glücklich mit meiner Arbeit, arrangiere mich irgendwie zuhause und habe eine liebe Freundin, die sich um mich sorgt. Letzte Woche kamen zehn neue Bücher an, die ich vor allem in meinem einwöchigen Urlaub abarbeiten möchte (und auch werde, haha). Es gibt zwar auch vieles, das meinem Seelenfrieden schadet, doch heute habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich dies nicht mehr zulasse. Ich merke, wie sich die Gleichgültigkeit in mir ausdehnt und ich innerlich kalt werde. Fast so kalt wie meine Füße es ständig sind!

Das muss helfen.
27.3.17 15:49
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ina (30.3.17 11:17)
Liebe Caro, das erinnert mich sehr an mich selbst von vor einem Jahr Ich wünsche mir für dich dass du die richtigen Entscheidungen gefällt hast. In meinem Fall war die Sehnsucht eines der Zeichen, diese Umstände wiederherzustellen. Schöner Text <3

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