Planänderung


Eigentlich habe ich im letzten Eintrag angedeutet, dass ich umziehen werde. Da meine Familie und ich aus unserem Zuhause geekelt wurden, haben wir uns also seit August intensiv auf Wohnungssuche begeben. Der einzige Haken daran: Bei uns auf dem Land gibt es keine Mietwohnungen. Erst recht nicht in der Ortschaft, in der wir arbeiten. Und doch, so unglaublich es war, haben wir innerhalb von nur zwei Wochen zwei top renovierte Wohnungen gefunden.

Auf die erste Wohnung wurden wir durch einen Tipp einer Arbeitskollegin aufmerksam; sie war nur wenige Schritte von meiner Arbeit entfernt, war groß genug für mich, wurde zu diesem Zeitpunkt von Grund auf renoviert und die Miete war auch bezahlbar. Besichtigung vereinbart und am folgenden Tag einen Anruf erhalten, dass ich die Wohnung haben könne. Perfekt.
Die Geschichte um die zweite Wohnung ist hingegen pures Glück: aus reinem Impuls bat ich eine weitere Kollegin, die in besagter Ortschaft wohnt, dass sie sich doch bitte für uns etwas umhören solle. Ihre Antwort: "Ich weiß leider von keiner freien Wohnung. Aber wir haben eine Ferienwohnung, die man auch dauerhaft vermieten könnte." Wie es nun also kam, konnten wir ihre Ferienwohnung für meinen Bruder fest anmieten. Konnte es noch besser kommen? Nein.

Schlechter?

Ja.

Denn im weiteren Verlauf besichtigte ich ab und an "meine" Wohnung und erlebte eine böse Überraschung nach der nächsten. Aus heiterem Himmel sollte ich plötzlich entgegen aller Abmachungen deutlich mehr Miete zahlen. Die TAE-Dose (Anschluss für den Router) wurde mutwillig während der Renovierungsarbeiten kaputt gemacht. Sprich: So schnell wäre kein Internet möglich gewesen. Auch sollte ich für die Reparatur einer 15 Jahre alten Waschmaschine zahlen, die die Vormieterin defekt zurück ließ. Ein neuer Stromzähler sollte eingebaut werden, durch den ich für einen Teil Strom hätte zahlen müssen, den die andere Wohnung im Haus verbraucht. Als ich den Mietvertrag unterzeichnen sollte, erwartete mich die nächste Überraschung: Die Miete wurde nochmals teurer! Weiterhin tauchten so viele Dinge auf, die allem Anschein nach völlig willkürlich in den Vertrag aufgenommen wurden und über die man mich/uns im Vorfeld hätte informieren müssen. Hingegen die Dinge, die für mich als Mieterin wichtig sind, die sind völlig unter den Tisch gefallen. Kündigungsfrist? Was für eine Kündigungsfrist? Die beigefügte Hausordnung besagte sogar, dass ich meine Wäsche weder in der Wohnung noch auf dem Balkon hätte aufhängen dürfen. Völlig absurd. Für all das habe ich gar keine Worte.

Meine Mutter und ich wiesen die Vermieterin deshalb darauf hin, dass ihr wechselhaftes Verhalten nicht korrekt sei und dass uns die vielen Unstimmigkeiten zu denken gäben. In der selben Nacht noch bekam ich eine böse Nachricht in Whatsapp von der Vermieterin, in der sie sowohl meine Mutter als auch mich beleidigte. Am Tag darauf holte ich mein Hab und Gut, das ich bereits nach und nach in die Wohnung gebracht hatte, wieder ab.

Einen wunderbaren Monat lang war ich also im Glauben, dass ich von Zuhause ausziehen kann. Ich hatte mir bereits Möbel ausgesucht, die Wohnung in Gedanken eingerichtet, Urlaub genommen, Umzugshelfer gefunden und für eine Einweihungsparty eingeladen.

Doch irgendwie konnte ich mich während dieser Zeit nicht auf die Wohnung an sich freuen. Durch die vielen Umstände und das unmögliche Verhalten der Vermieterin hatte ich das Gefühl, als würde das nicht mein neues Zuhause werden. Mein Rückzugsort. Meine Wohlfühlzone. Interessanterweise war ich deshalb kein bisschen enttäuscht, als es doch nicht klappte. Vielleicht war es sogar eine Erleichterung, denn zum Schluss hatte ich nur Ärger damit. Und je mehr Zeit verging, desto größer wurde auch mein ungutes Bauchgefühl. All das war mit einem Schlag verschwunden.

Der weitere Plan sieht so aus, dass ich nun doch zum 1.11.2017 ausziehen werde. Durch allergrößten Zufall fand ich nämlich eine Wohnung in einer nahe gelegenen Ortschaft und behauptete mich neben acht weiteren Personen, die die Wohnung besichtigten. Man musste das Inserat sogar nach nur einem Tag wieder aus dem Internet nehmen, da zu viele Interessenten anriefen! Diese Wohnung ist nun 20qm größer, günstiger, hat eine wunderschöne Einbauküche (mit Spülmaschine! Luxus!), eine Badewanne und keine Dachschräge. Mein jetziger Vermieter ist völlig unkompliziert und lässt mir sehr viele Freiheiten.

Und das beste daran: Diesmal habe ich das Gefühl, als würde ich in mein neues Zuhause einziehen. Ich kann es als meinen Rückzugsort betrachten und fühle mich nur allein bei dem Gedanken daran wohl.

Letztendlich bin ich davon überzeugt, dass ich deshalb die erste Wohnung nicht bekommen sollte: weil nämlich etwas besseres auf mich gewartet hat. Aber so läuft es doch so oft im Leben - ob mit dem Partner, der Arbeit, mit einem Auto oder einer Wohnung. Wir geben uns mit dem vermeintlich "besten" ab, nur weil wir zu bequem sind, einen harten Weg auf uns zu nehmen. Wir sind lieber tief in unserem Inneren unglücklich, als uns auf die Suche nach dem zu machen, was wir in Wahrheit wirklich verdienen und lassen uns durch Rückschläge viel zu leicht aus der Bahn werfen. Manchmal hilft es jedoch, in den sauren Apfel zu beißen und sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Im Übrigen - gestern habe ich eine riesige Couch für das neue Wohnzimmer gekauft. Mit Schlaffunktion. Wer sich nun also angesprochen fühlt... ;-)
22.10.17 13:13
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mirco / Website (23.10.17 15:04)
Schön wieder etwas von dir hören zu können. Na dann wünsche ich dir einen erfolgreichen Einzug...

Viele Grüße aus Ningbo

Mirco

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